Das
arabische Alphabet verwendet für die kurzen
Vokale a, i und u keine
eigenen Buchstaben (Weitere Vokale wie o und e werden im Arabischen
nicht verwendet).
Lediglich
die langen Vokale ā [ ا
], ī [ ي
] und ū [ و
] haben eigene Buchstaben.
Die
Vokale o und e, wie sie beispielsweise im Deutschen existieren,
fehlen im Arabischen. Werden Eigennamen aus einer Fremdsprache
verwendet, die diese Vokale enthalten, wird meist das o durch ein Wāw
und das e durch ein Yā
ersetzt. Oftmals werden die Vokale aber auch schlicht weggelassen.
Um
den genauen Lautwert eines Wortes (also mit dessen kurzen Vokalen)
wiederzugeben, können
Hilfszeichen verwendet werden. Diese werden entweder unter oder über
einem Konsonanten geschrieben (siehe Tabelle). Meistens
werden diese Zeichen in
geschriebenen und gedruckten Texten aber einfach weggelassen,
da für den geübten Leser auch ohne sie deutlich wird,
welcher Vokal gesprochen wird. In diesem Fall nennt man einen Text
unvokalisiert.
Die
Zusatzzeichen zur Vokalisierung finden sich vor allem in
Schulbüchern, poetischen Texten und in allen Koranausgaben.
Arabisch
war ursprünglich eine Sprache, die gänzlich ohne diese
orthographischen Hilfszeichen ausgekommen ist, für
Muttersprachler war und ist sie schließlich auch ohne
angezeigte Kurzvokale problemlos lesbar. Vor allem wegen der
Verbreitung des Islam über den ursprünglichen arabischen
Sprachraum hinaus, wurde die Vokalisierung für den Koran
eingeführt, um ein fehlerfreies Rezitieren zu gewährleisten.
Schauen
Sie sich folgendes Beispiel an:
„Wr
wnschn Ihnn viel rflg beim rlrnn dr arabschn Sprach!“
Wie
Sie bei diesem Beispiel sehen können, haben wir lediglich die
kurzbetonten Vokale weggelassen, die lang gesprochenen hingegen
geschrieben. So dürfte es Ihnen leicht fallen, den obigen Satz
trotz fehlender Buchstaben ohne Mühe auf Anhieb zu verstehen.
Voraussetzung ist dabei – wie auch beim Lesen unvokalisierter
arabischer Texte – dass der Wortschatz groß genug ist, um
alle in Frage kommenden Wörter zu erkennen.
Im
arabischen Sprachraum erscheinen neben unvokalisierten Texten auch
oft solche, die teilweise (d.h. stellenweise) vokalisiert sind, um
Missverständnissen bei unterschiedlichen Bedeutungsmöglichkeiten
vorzubeugen.
Neben
den Zeichen zur Vokalisierung gibt es zudem Markierungen zum Anzeigen
von Vokallosigkeit, zur Verstärkung von Konsonanten oder zum
Erläutern bestimmter Laute.
|
Orthographische
Hilfszeichen |
|
Zeichen |
Name |
Funktion |
Beispiel |
|
[ َ ] |
Fathah |
Kurzes
a,
Strich über Konsonant |
ذَهَب
|
|
ḏahaba
– gehen
|
|
[ ِ ]
|
Kasrah |
Kurzes
i,
Strich unter Konsonant |
إِنْكِلْتِرَا
|
|
ʾinkiltirā
- England |
|
[ ُ ]
|
Dammah |
Kurzes u,
Häkchen über Konsonant |
الفُنْدُق
|
|
al-funduqu
– das Hotel |
|
[ ْ ]
|
Sukun |
Vokallosigkeit, Kringel über
Konsonant |
نَعَم
|
|
naʿam
- ja |
|
[ ّ ]
|
Schadda |
Verstärkungs- und
Verdoppelungszeichen (*) |
قَبَّلَ
|
|
qabbala
- küssen |
|
[ آ ]
|
Madda |
Langes
a,
Strich über alif [ ا ]
|
آلَةُ
الحِلاَقَة
|
|
ʾālatu
l-ḥilāqati
- Rasierapparat |
|
[ ٱ ]
|
Alif al-Wasla
|
a,
Verhindert das Aufeinanderfolgen von
Konsonanten am Satzanfang,
ersetzt أ.
|
قَالَ+اُدْخُلْ
qāla+
ʾudḫul |
|
قَالَ
اُدْخُلْ
qāla
ʾdḫul |
|
[ ً ]
|
Doppeltes Fathah
|
an statt
a
(einfaches Fathah), über Konsonant
|
شِمَالاً
|
|
šimālan
- links |
|
[ ٍ ]
|
Doppeltes Kasrah |
in statt
i
(einfaches Kasrah), unter Konsonant |
عَالٍ
|
|
'ālin - laut |
[ ٌ ]
oder
[ُ ُ ]
|
Doppeltes Dammah |
un statt
u
(einfaches Dammah), über Konsonant
|
بابٌ
|
|
bābun
- Tür |
Die
letzten drei Zeichen tauchen auch beim Kapitel zur Nunation
wieder auf.
(*):
Fathah und Dammah werden über das Schadda gesetzt, Kasrah
unter das Schadda oder den Buchstaben.
|
Fathah
über Schadda |
Dammah
über Schadda |
Kasrah
unter Schadda |
|
اللَّيْلُ |
الزُّكَامُ |
التِّلفِزْيُونُ/
التّلِِفِزْيونُ |
|
al-laylu
– die Nacht |
az-zukāmu
– die Erkältung |
at-tilifizyūn
– das Fernsehen |
Nun
möchten wir Ihnen die Vokalisierung
von Wörtern im Arabischen erklären.
In
der ersten Spalte der folgenden Tabelle sehen Sie die Wörter mit
den zusätzlichen Hilfszeichen. In der Spalte daneben finden Sie
die allgemein
gebräuchliche Schreibweise
(wie beispielsweise in der Zeitung oder in den meisten Büchern),
also ohne Hilfszeichen.
|
Wörter
mit und ohne orthographische Hilfszeichen
|
|
Vokalisiert
|
Unvokalisiert
|
lat.
Umschrift
|
dt.
Bedeutung
|
|
البُسْتَانُ
|
البستان
|
al-bustānu
|
der Garten
|
|
لَطِيفٌ
|
لطيف
|
laṭīfun
|
freundlich
|
|
سَكَنَ
|
سكن
|
sakana
|
wohnen
|
|
تَهَانِيَّ
القَلبِيَّة
|
تهاني
القلبية
|
tahāniyya
l-qalbiyyata
|
Herzlichen Glückwunsch
|
Wie
Sie beim dritten Beispiel gut erkennen können, besteht das Wort
سكن
in der unvokalisierten
Schreibvariante lediglich aus drei Konsonanten (s-k-n). Um zur
korrekten Aussprache des Wortes (also „sakana“) zu
gelangen ist es (leider) erforderlich, dass Sie sich mit der
Grammatik des Arabischen gründlich auseinandersetzen und Sie
sich einen ausreichenden Wortschatz zulegen. Aber keine Angst: Im
Laufe Ihres Arabischlernens und vor allem im Kontakt mit
arabischsprachigen Menschen werden Sie rasch die korrekten Formen
erlernen und einen sicheren Gebrauch der Sprache erlangen.
Ein
Hinweis zu dieser Grammatik:
Wir werden in dieser Grammatik
– gerade zu Anfang – die vollständigen
Vokalisierungen angeben, zusätzlich werden wir die Wörter
so angeben, wie Sie sie auch in arabischen Zeitungen finden
würden, also gänzlich ohne orthographische Hilfszeichen.
So können Sie sich langsam an die „normale“, also
allgemein gebräuchliche, arabische Schreibweise gewöhnen.
Zusätzlich geben wir natürlich immer die Umschrift und
die deutsche Bedeutung an, ganz so, wie Sie es in obiger Tabelle
sehen. So können Sie sich ganz langsam an diese recht fremde
Schrift gewöhnen und sie bald sicher verstehen.
Nun
zeigen wir Ihnen, wie Sie Wörter in einem arabischen Wörterbuch
nachschlagen.