Ein weiteres
Prinzip der Lautlehre des Türkischen: der Konsonantenwandel
Der
Konsonantenwandel ist ein weiteres Prinzip der türkischen
Lautlehre. Es basiert auf der Tatsache, dass man im Türkischen
zwischen stimmhaften und stimmlosen Konsonanten unterscheiden muss.
Welchen
Konsonanten man welcher Gruppe zuordnet, sehen Sie in der folgenden
Übersichtstabelle:
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Übersicht
über stimmhafte und stimmlose Konsonanten im Türkischen |
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stimmhafte
Konsonanten |
stimmlose
Konsonanten |
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-
eher weich ausgesprochen - |
-
eher hart ausgesprochen - |
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b
– c – d – j – g – ğ – l –
m – n – r – v – y - z |
ç
– f – h – k – p – s – ş –
t |
Das
Prinzip, das hinter den lautlichen Veränderungen steckt, ist,
dass man dem türkischen Sprachgefühl folgend, nicht
stimmhafte und stimmlose Konsonanten nacheinander sprechen kann. Aus
diesem Grund muss die lautliche Umgebung angepasst werden.
Was
passiert bei dieser Veränderung? Grundsätzlich müssen
Sie hier zwischen zwei Mustern der Veränderung unterscheiden:
zum einen kommt es durch dieses Prinzip zu Veränderungen im
Auslaut des Wortes, an das ein Suffix angehängt wird, zum
anderen verändert sich die Lautung und die Schreibung des
angefügten Suffix. Beide Muster stellen wir Ihnen im Folgenden
vor.
Muster
1: Veränderungen im Auslaut des Wortes
Bei
diesem Muster kommt es zu einer Erweichung des Konsonanten im Auslaut
eines Wortes. Dieses Muster greift immer dann, wenn ein Suffix an das
Wort angefügt wird, das mit einem Vokal beginnt. Welche Regeln
müssen Sie sich hierzu merken?
Faustregel:
Wenn ein Suffix mit einem Vokal beginnt und an einen Auslaut eines
Wortes mit einem stimmlosen Konsonanten angefügt werden soll, so
verändert sich dieser stimmlose in einen stimmhaften
Konsonanten.
p
→ b
ç
→ c
t
→ d
k
→ ğ
nk
→ ng
Damit
diese Regeln nicht alleine graue Theorie bleiben, zeigen wir Ihnen
hier einige Beispiele:
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BEISPIELE*
für den Konsonantenwandel (nach dem Muster 1) im Türkischen: |
|
p
→ b |
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Schrank |
dolap |
dolabım |
mein
Schrank |
|
Wein |
şarap |
şarabım |
mein
Wein |
|
ç
→ c |
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Medikament |
ilaç |
ilacım |
mein
Medikament |
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Karotte |
havuç |
havucum |
meine
Karotte |
|
t
→ d |
|
Heimat |
yurt |
yurdum |
meine
Heimat |
|
k
→ ğ |
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Fuß |
ayak |
ayağım |
mein
Fuß |
|
Blume |
çiçek |
çiçeğim |
meine
Blume |
|
nk
→ ng |
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Farbe |
renk |
rengim |
meine
Farbe |
|
Girlande,
Kranz |
çelenk |
çelengim |
meine
Girlande, mein Kranz |
*
Bestimmt ist Ihnen aufgefallen, dass all diese Beispiele einem
bestimmtem Muster folgen: Ein Substantiv wird mit dem
Possessivpronomen versehen. Im Türkischen ist dieses aber kein
Pronomen, das alleine steht, sondern eine Endung, die an das
Substantiv angehängt wird. Mehr hierzu lesen Sie im Kapitel zu
den Possessivendungen.
Muster
2: Veränderungen im angehängten Suffix
Bei
diesem Muster kommt es zu einer Verhärtung des
Anfangskonsonanten in einem angefügten Suffix. Dieses Muster
greift immer dann, wenn ein Suffix, das mit einem stimmlosen
Konsonanten beginnt, an ein Wort angefügt werden soll, das mit
einem stimmhaften Konsonanten endet. Sie sehen, hier passt für
das türkische Sprachgefühl wieder etwas nicht zusammen: Man
kann nicht erst einen stimmhaften Konsonanten sprechen und ihm gleich
einen stimmlosen folgen lassen. Deshalb muss man hier bei Aussprache
und Schreibung wieder etwas ändern. Diese Veränderungen
folgen der Faustregel:
Wenn
ein Wort auf einen stimmhaften Konsonanten endet und ein Suffix
angehängt werden soll, das eigentlich mit einem stimmlosen
Konsonanten beginnt, so wird dieser Konsonant aufgeweicht.
c
→ ç
d → t
g
→ k
Hier
finden Sie wieder einige Beispiele hierzu:
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BEISPIELE*
für den Konsonantenwandel (nach dem Muster 2) im Türkischen:
d → t |
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keine
Veränderung: |
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Wüste |
çöl
|
çölde |
in
der Wüste |
|
Zug |
tren |
trende |
im
Zug |
|
mit
Veränderung: |
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Flugzeug |
uçak
|
uçakta |
im
Flugzeug |
|
Bus |
otobüs |
otobüste |
im
Bus |
*
Diese Beispiele sind alle aus dem Kapitel zum Lokativ entnommen. Bei
diesem Fall, der angibt wo sich etwas oder jemand befindet, wird das
Suffix -de (mit Konsonantenwandel das Suffix -te) an
das Substantiv angehängt.
Wir
hoffen, dass Sie in diesem Abschnitt einen guten Überblick über
das Grundprinzip des Konsonantenwandels bekommen haben. Sie werden in
den entsprechenden Kapiteln, die Grammatikphänomene beschreiben,
die von diesem Wandel betroffen sind, immer auch noch mehr
Informationen und Beispiele finden.
Nachdem
Sie sich nun alles Wesentliche zur Aussprache des Türkischen
angeeignet haben, finden Sie in den folgenden Kapiteln Wissenswertes
zur Rechtschreibung der
türkischen Sprache. Sicherlich ist es auch lohnenswert, diese
Kapitel zumindest einmal aufmerksam durchzulesen, denn auch hier gibt
es wieder Unterschiede zum Deutschen.