Das
Arabische kennt lediglich zwei einfache „Zeiten“, in
denen Verben verwendet werden. Diese sind das Perfekt, das
abgeschlossene Handlungen in (meistens) der Vergangenheit ausdrückt
und das Imperfekt, das für Handlungen verwendet wird, die nicht
abgeschlossen oder wiederkehrend sind.
Das
Imperfekt kann sowohl die Gegenwart, als auch die Zukunft bezeichnen
(im Einzelfall aber auch die Vergangenheit!).
Verschiedene
Vergangenheitsformen oder eine eigene Form für das Futur –
wie Sie dies aus dem Deutschen kennen – kennt das Arabische
nicht.
Wie
im Deutschen auch, wird im Arabischen zwischen einem Passiv („Die
Schüler werden vom Lehrer gefragt.“) und einem Aktiv („Der
Lehrer fragt die Schüler.“) unterschieden.
Wir haben den Begriff „Zeiten“
deswegen in Anführungszeichen geschrieben, da das arabische
Verbsystem vielmehr ein ineinander greifendes System von Zeit und
Aspekt darstellt. Von weitaus größerer Bedeutung ist
hingegen, ob ein Verb eine abgeschlossene (Perfekt) oder eine
andauernde (bzw. wiederkehrende) Handlung (Imperfekt) ausdrückt.
Das
Perfekt hat nur eine Form, den Indikativ (die Wirklichkeitsform).
Das
Imperfekt hat neben dem Indikativ auch noch andere Modi: den
Konjunktiv
(Möglichkeitsform), den Apokopat
(Jussiv) und den Imperativ
(Befehlsmodus).
Sowohl
vom Perfekt als auch vom Imperfekt kann das Passiv
gebildet werden. Hierzu finden Sie ein eigenes Kapitel.
Wie
die Mehrzahl der arabischen Wörter, bestehen die Verben aus drei
Radikalen, bei einzelnen Verben auch aus vier. (Wenn Sie nicht mehr
genau wissen, was Radikale sind, gucken Sie doch noch einmal im
Kapitel zum Aufbau
der arabischen Wörter
nach). Um ein Verb im Wörterbuch nachschlagen zu können,
ist es unabdingbar, die Radikale des Verbs zu kennen. Nehmen Sie als
Beispiel das Verb فعل
(faʿala;
dt.: tun, machen; vokalisiert:
فَعَلَ
).
Dieses Verb besteht aus folgenden drei Radikalen:
(===>
Wortanfang: فـ) R1:
ف
(===>
Wortmitte: ـعـ) R2:
ع
(===>
Wortende: ـل) R3:
ل
Und
noch ein Beispiel! Sie haben das Wort
شَكَرَ
(šakara
– danken). Wie lauten dessen drei Radikale?
Warum
weisen wir hier so deutlich auf die Radikale (Wortwurzeln) hin? Diese
spielen bei der Deklination der Verben eine tragende Rolle.
Im
Arabischen gibt es neben dem Grundstamm eines Verbs auch noch hiervon
abgeleitete Stämme. Einen Überblick über die
Bildungsmuster der einzelnen Verbstämme
finden Sie am Ende des Grammatikteils über das Verbsystem.
Wie
werden Verben in Wörterbüchern oder in schematischen
Aufzählungen in ihrer Grundform geschrieben?
Verben
werden in Lexika in ihrer Grundform immer in der dritten Person
maskulin Singular, im aktiven Perfekt dargestellt. Wenn Sie also im
Wörterbuch das Wort ذَهَبَ
(bzw. ذهب,
dahaba)
nachgeschlagen haben, so wird dieses als „gehen“
übersetzt, obwohl seine eigentliche Bedeutung „er ging/ er
ist gegangen“ wäre. Die Darstellung wird deswegen
verwendet, weil diese Form im arabischen Verbsystem die am
einfachsten zu bildende ist, da sie ohne Zusätze zum Wortstamm
auskommt.
Anders,
als Sie dies aus anderen Sprachkursen kennen (beispielsweise während
Ihres Englisch-Unterrichts während der Schule), werden wir Ihnen
zunächst den Gebrauch des Perfekts
(i.d.R. also die Zeit, die die Vergangenheit bezeichnet) vorstellen
und anschließend erst das Imperfekt.
Dies hat ganz pragmatische Gründe: Die Grundform, in denen
Verben beispielsweise in Wörterbüchern stehen, ist –
wie erläutert – bereits im Perfekt (3.P. Sg. m.).
Das
Imperfekt wird aus der Wortwurzel des Perfekts unter Einbeziehung von
zusätzlichen Buchstaben gebildet.
Im
(aktiven) Perfekt haben Verben auf dem ersten und dritten Radikal ein
a (َ),
während das zweite Radikal als Kurzvokal entweder ein a
(َ),
i
(ِ )
oder u
(ُ)
hat. Am häufigsten kommt das a
als Kurzvokal nach dem zweiten Radikal vor; ebenfalls weit verbreitet
ist das i.
Das u
als zweiter Kurzvokal kommt lediglich bei nicht-zielenden Verben
(z.B. „schwach werden“) vor. Solche Verben mit u
sind selten und werden im Alltag kaum verwendet.
Hier
einige Verben in ihrer Grundform, wie Sie sie in einem Wörterbuch
finden:
|
R1-a-R2-a-R3-a
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فَتَحَ
|
fataḥa
|
öffnen
(wörtlich: er hat geöffnet)
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جَلَسَ
|
ğalasa
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sitzen
(wörtlich: er ist gesessen)
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كَتَبَ
|
kataba
|
schreiben
(wörtlich: er hat geschrieben)
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R1-a-R2-i-R3-a
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شَهِدَ
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šahida
|
bezeugen, erblicken
|
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سَمِعَ
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samiʿa
|
hören
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شَرِبَ
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šariba
|
trinken
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R1-a-R2-u-R3-a
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كَبُرَ
|
kabura
|
wachsen
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ضَعُفَ
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ḍa'ufa
|
schwach werden
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كَرُمَ
|
karuma
|
großzügig sein
|
Noch
ein Hinweis, was diese Grammatik leisten kann und wo ihre Grenzen
liegen: Das arabische Verbsystem ist nicht allzu leicht zu
erlernen. In vielen Lehrbüchern nimmt jener Teil, der sich
mit den Verben beschäftigt, oftmals 100 und mehr Seiten ein.
Was unsere Grammatik allerdings imstande ist zu leisten, ist,
Ihnen einen kurzen, aber umfassenden Einblick in das arabische
Verbsystem zu geben und Ihnen zu zeigen, wie Sie Verben auch
konkret anwenden können.
Sie werden mit
dieser Lernsoftware das Verbsystem nicht so sicher wie ein
Muttersprachler anwenden können, dies lässt sich nur im
langzeitigen Gebrauch der Sprache erreichen. Allerdings geben wir
Ihnen hiermit ein substantielles „Rüstzeug“ mit
auf den Weg, um die Grundstruktur des arabischen Verbsystems zu
verstehen und anwenden zu können.
Im
folgenden Abschnitt erfahren Sie nun alles Wichtige zum Perfekt
im arabischen Verbsystem.